Für die kürzlich abgelaufene Meisterschaft 2026 wurde erstmals ein computer-generierter und optimierter Spielplan erstellt.

Die dafür entwickelte Software stammt vom langjährigen Inline-Hockey-Spieler Simon Gisler. Im Gespräch gibt er Einblick in die Entstehung des Projekts, die Vorteile für Vereine und Verband sowie die nächsten Entwicklungsschritte.
Simon Gisler, wie kam es dazu, dass Du IHS mit einem Spielplan-Optimierer unterstützt?
Simon Gisler: Bis 2011 war ich selbst Funktionär von IHS und für die Erstellung des Spielplans verantwortlich – damals noch komplett von Hand. Durch einen beruflichen Wechsel kam ich vor ein paar Jahren mit Optimierungsalgorithmen in Kontakt. Dabei erinnerte ich mich an meine frühere Tätigkeit bei IHS und setzte mir persönlich das Ziel, die Qualität meiner damaligen Spielpläne mit Hilfe einer selbst entwickelten Software weiter zu verbessern.
Ich holte alte Daten hervor und begann mit der Entwicklung. Das Ergebnis hat mich selbst überrascht: Der automatisch erstellte Spielplan war in allen relevanten Bereichen besser als die damals manuell erstellten Versionen. Da ich dem Inline Hockey weiterhin sehr verbunden bin, nahm ich Kontakt mit IHS auf. Der Verband war offen für die Idee und liess den Spielplan 2026 erstmals durch die Software erstellen.
Was ist der spürbare Vorteil für die Vereine?
Die wichtigsten Qualitätsmerkmale für die Vereine sind die Berücksichtigung von Sperrdaten sowie die Wünsche bezüglich Heimspielhallen. In diesen Bereichen verbessert sich die Situation nur geringfügig, da bereits bei der manuellen Erstellung sehr viel Wert auf diese wichtigen Kriterien gelegt wird.
Der grosse Vorteil liegt darin, dass der Optimierer zusätzlich viele weitere Faktoren gesamtheitlich, objektiv und ausgewogen berücksichtigen kann. Bei einer manuellen Planung werden solche sogenannten Soll-Kriterien oft nur teilweise oder gar nicht berücksichtigt. Als Beispiel profitieren Vereine nun in der Regel davon, dass mehrere ihrer Mannschaften häufiger am gleichen Ort nacheinander spielen können oder dass die Spiele gleichmässiger über die gesamte Saison verteilt sind.
Welche Vorteile ergeben sich für den Verband?
Der grösste Vorteil ist sicherlich die Zeitersparnis. Der Verband definiert mit meiner Unterstützung die relevanten Stammdaten und anschliessend erstellt der Optimierer den Spielplan. Falls das Resultat noch nicht den Erwartungen entspricht, müssen lediglich einzelne Parameter angepasst und die Optimierung neu gestartet werden.
Darüber hinaus berücksichtigt die Software auch Regeln, welche beispielsweise die Einteilbarkeit der Schiedsrichter erleichtert oder helfen, die Hallenauslastung zu verbessern und dadurch Kosten zu reduzieren.
Wie geht es weiter?
IHS und ich möchten auch für die Meisterschaft 2027 wieder gemeinsam einen optimierten Spielplan erstellen. Dafür habe ich die Lösungsfindungs-Algorithmen bereits weiterentwickelt und werde zusätzliche Regeln integrieren.
Auch bei den Vereinswünschen sind Anpassungen geplant. Einige wenige Mannschaften melden aktuell sehr viele Sperrdaten. Da diese praktisch als Muss-Kriterien behandelt werden, kann dies die Qualität des gesamten Spielplans beeinflussen. Künftig möchte man deshalb stärker differenzieren: Vereine sollen eine begrenzte Anzahl primärer Sperrdaten angeben können, die prioritär behandelt werden. Weitere Wünsche werden weiterhin berücksichtigt, jedoch mit einer niedrigeren Priorität. Dadurch soll ein noch ausgewogenerer Spielplan entstehen.
Gibt es weitere Einsatzmöglichkeiten für deinen Optimierer?
Der Code wurde natürlich sehr spezifisch für das Optimierungsproblem eines Spielplans entwickelt. Das grundlegende Konzept eignet sich aber auch für andere ähnliche Herausforderungen – beispielsweise für die Stundenplanung an Schulen oder die Dienstplanung innerhalb einer Abteilung. Entscheidend ist dabei immer die gleiche Idee: Viele unterschiedliche Anforderungen sollen gleichzeitig berücksichtigt und optimal aufeinander abgestimmt werden.
